Evangelisches Kinderheim Sonnenhof - Eingliederungshilfe

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Sonnenhof e.V.
Kinder- und Jugendhilfe
Gegründet 1906
Berlin - Spandau

Wohngemeinschaft und Betreutes Einzelwohnen für Menschen
mit Fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD) sowie gravierenden
Verhaltensauffälligkeiten

Die Wohngemeinschaft - FASD
Das Betreutes Einzelwohnen – FASD

Seit über zehn Jahren setzen wir uns für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Fetalen Alkoholspektrum-Störungen ein.
Mit unserem Engagement verfolgen wir zwei Ziele: erstens, die uns anvertrauten Menschen mit FASD durch integrative Arbeit und Betreuung so weit zu fördern, dass sie am Gruppen- und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann; zweitens durch Öffentlichkeitsarbeit/Aufklärung sowohl die Fachöffentlichkeit als auch staatliche Institutionen, caritative Institutionen und Verbände für FASD zu sensibilisieren.

In der Weiterentwicklung unserer Arbeit als eines Trägers von stationären und ambulanten Hilfen zur Erziehung (in Erziehungswohngruppen und Wohngemeinschaften, im Betreuten Einzelwohnen, durch ambulante Betreuung junger Erwachsener, durch Psychotherapie und Familientherapie) haben wir uns – konsiliarisch begleitet von Prof. Dr. Spohr – zunehmend und unter Einbeziehung ihrer Familien auf eine Zielgruppe spezialisiert, deren vorrangig geistige Behinderungen und hirnorganische Beeinträchtigungen in unmittelbarem Zusammenhang mit embryo-fetaler Alkoholexposition stehen und die das dafür typische Spektrum von Verhaltensauffälligkeiten, kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen sowie von Entwicklungsstörungen zeigen, die oft dauerhaft den Weg in eine selbständige Existenz unmöglich machen.

Unsere Erfahrungen, dass der größte Teil der unter FASD leidenden Kinder und Jugendlichen nach dem 18. Lebensjahr nicht in der Lage ist, eigenständig und eigenverantwortlich zu leben, werden durch die 2005 abgeschlossene Berliner Langzeituntersuchung von Prof. Dr. Spohr bestätigt. Er hat nachgewiesen, dass lediglich
12 Prozent der durch Alkoholexposition im Mutterleib geschädigten jungen Frauen und Männer eine Arbeit finden, ihren Lebensunterhalt verdienen und selbständig leben konnten (vgl. Pediatrics 2007).
Umso erschreckender ist, dass die Langzeitfolgen in Deutschland noch immer nicht ernst genommen werden. Auf den statistisch offensichtlichen Betreuungs- und Förderbedarf haben wir nicht nur durch Öffentlichkeitsarbeit, sondern durch die Einrichtung unserer bundesweit ersten Wohngemeinschaft aufmerksam gemacht, die wir Dank des besonderen Engagements des Diakonischen Werkes, sowie der zuständigen Senatsverwaltung am 15.03.2007 eröffnet haben. Mit unserer Wohngemeinschaft und dem 2009 eingerichteten Betreuten Einzelwohnen verfolgen wir das Ziel, den bei uns groß gewordenen Kindern,
die Hilfe und die Betreuung zu bieten, auf die sie auch als Erwachsene angewiesen sind. Darüber hinaus streben wir in Kooperation mit anderen Trägern differenzierte Betreuungsformen im stationären Bereich an. Dabei begrüßen wir die Entwicklung von Projekten, die von einer Langzeitperspektive ausgehen: so früh wie möglich die von ihnen
zu Betreuenden aufnehmen und sie möglichst wohnortnah zu begleiten, um sie dauerhaft
in den oft mühselig hergestellten sozialen Bezügen zu halten.

Die Wohngemeinschaft - FASD

Unsere Wohngemeinschaft ist in einem Einfamilienhaus in Spandau untergebracht und bietet vier erwachsenen Menschen Platz (Zielgruppe sind Menschen mit geistiger Behinderung/hirnorganischen Beeinträchtigungen, die in der Regel im Zusammenhang mit fetaler Alkoholexposition, stehen). Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer, das er nach seinen eigenen Vorstellungen mit Hilfe seiner Betreuer oder seiner Angehörigen einrichten kann. Es stehen Gemeinschaftsräume, eine Küche und sanitären Einrichtungen zur Verfügung. Die Bewohner beteiligen sich an allen hauswirtschaftlichen Arbeiten.
Es gilt das Prinzip der ambulanten Betreuung, die wir aufgrund der Besonderheiten der Beeinträchtigungen bei FASD auch im Vormittagsbereich anbieten. Die Bewohner müssen in der Lage sein, nachts und hin und wieder auch einige Stunden am Tag, ohne Betreuung zu recht zu kommen. Sie werden bei der Suche nach ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeits- und Beschäftigungs-verhältnissen intensiv unterstützt, bei Bedarf begleitet und geduldig motiviert, immer wieder einen neuen Anfang zu wagen.

Unsere Betreuungsleistungen umfassen:
1. Individuelle Unterstützung beim Erlernen lebenspraktischer Aufgaben
2. Tägliche Hilfestellung bei der Tagesstrukturierung
3. Förderung der Kontakt-, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit
4. Ressourcenorientierte Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung
5. Hilfen in Konflikt- und Krisensituationen
6. Pflege und Versorgung nach Bedarf
7. Zusammenarbeit mit Angehörigen

Das Betreutes Einzelwohnen – FASD

Das Betreute Einzelwohnen ist in der Regel den Bewohnern unserer FASD-Wohngemeinschaft bzw. jungen Erwachsenen, die wir schon im Jugendhilfebereich integrativ betreut haben, vorbehalten, denen beim Schritt in die Selbstbestimmung die Betreuungskontinuität durch ihre Bezugsbetreuer gewährleistet bleiben soll. Vorgesehen ist das Betreute Einzelwohnen für Menschen mit geistiger Behinderung, die – abgesehen von Krisenphasen - keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen wobei allerdings in Teilbereichen Bedarfe an intensiver Förderung/Anleitung und umfassender Hilfestellung vorliegen können. Der Standort der Einzelwohnungen / sowie künftiger Einzel- bzw. Paarwohnungen soll im Bezirk Spandau und zwar in räumlicher Nähe zu unserer FASD-Wohngemeinschaft liegen, die zugleich als Betreuungsstützpunkt genutzt werden kann.

Für beide Bereiche gilt, dass wir uns mit Hilfe neuropsychologischer Diagnostik um die alltagsorientierte besondere Förderung jedes Erwachsenen bemühen. Einzelfallorientiert bieten wir Trainingseinheiten exekutiver Funktionen an. Das Angebot neuropsychologischer Therapie befindet sich im Aufbau. Auf die Beeinträchtigungen im Bereich der Impulskontrolle, des Antriebs, der Affektsteuerung, der Reifung etc. sind wir ebenso eingestellt, wie auf die häufigsten komorbiden Störungen (Depression, Angststörungen, Bindungsstörungen, ADS, ADHS) sowie die sekundären Störungen im Bereich des Spektrums der Verhaltensauffälligkeiten.
Mit Respekt vor den Selbstbestimmungsrechten stehen wir häufig vor dem teils einschränkungsbedingten, teils aus den Schwierigkeiten der Auseinandersetzung mit
dieser Behinderung resultierenden Problem fehlender Compliance, setzten jedoch
deutliche Grenzen im Bereich der Selbst- und Fremdgefährdung.
Wir versetzen keine Berge wir ebenen gemeinsam Wege, suchen kreative Lösungen
und haben das Ziel, das, was an Geborgenheit und Glück für jeden Einzelnen
möglich ist, zu fördern.