Evangelisches Kinderheim Sonnenhof -  Hilfen zur Erziehung

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Sonnenhof e.V.
Kinder- und Jugendhilfe
Gegründet 1906
Berlin - Spandau

PÄdagogisches und therapeutisches Selbstverständnis

Der Sonnenhof nimmt junge Menschen auf, die teils direkt aus ihren Familien, teils aus Pflegefamilien, aus anderen Einrichtungen der Jugendhilfe oder nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung zu uns kommen. Viel Erfahrung haben wir mit Suchtfamilien und mit Eltern, die psychisch erkrankt sind.
Die psychosozialen Belastungen manifestieren sich in einer häufig bereits chronifizierten Symptomatik, die von allgemeinen Beziehungs- und Bindungsproblemen über Lernschwierigkeiten, Schulmüdigkeit und sozialer Orientierungslosigkeit bis zu autoaggressiven und suizidalen Impulsen reicht. Hinzukommen die hirnorganischen Beeinträchtigungen der Kinder- und Jugendlichen, mit denen wir integrativ arbeiten. Hier zeigen sich vor allem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, Impulskontrollstörungen, Beeinträchtigungen im Regelverständnis und Einschränkungen der exekutiven Funktionen.

Wir bemühen uns darum, die Probleme und Beziehungsschwierigkeiten der uns anvertrauten jungen Menschen als sozial- und lebensgeschichtlich vermittelte Entwicklungen ernst zu nehmen, die auf dem Hintergrund der Herkunftsfamilien sowie der Eigendynamik der Beeinträchtigungen verständlich sind und so erst bearbeitet werden können. Die Eltern werden in der Verantwortung für ihre Kinder ernst genommen und bereits in das Aufnahmeverfahren einbezogen, damit die jungen Menschen gezielt, also von Anfang an in die Wohnform aufgenommen werden, die ihnen durch spezifische Schwerpunkte und Zielsetzungen individuell gerecht werden kann.
– Durch die enge Kooperation mit den Eltern können deren Erziehungsfähigkeiten verbessert
   und Bedingungen der Reintegration von Kindern und Jugendlichen in die Familien sorgfältig
   geprüft werden.
– Die übergreifenden Beratungsgespräche mit der Familie, oder Teilsystemen, bei denen
   z.T. auch die sozialpädagogischen Fachkräfte aus den Gruppen einbezogen werden erlauben es
   allen Beteiligten, das gegenseitige Verständnis füreinander zu verbessern und an neuen
   Konfliktlösungsmöglichkeiten zu arbeiten.
– In den Wohngruppen bemühen wir uns durch sorgfältige Beziehungsarbeit darum, den Kindern
   und Jugendlichen zu ermöglichen, Schritt für Schritt oft jahrelang verfestigte Verhaltensformen
   durch neue Erfahrungen zu verändern.

Bei mittelfristig geplanten Rückführungen bieten wir den Eltern eine Beratung an, die im zweiwöchentlichen Turnus, bei längerfristigen Unterbringungen alle 4–6 Wochen erfolgt.

Neben ressourcenorientierter Familienberatung und -therapie (letztere über Fachleistungsstunden) umfasst das übergreifende psychologisch-therapeutische Angebot die Krisenintervention, die Kurztherapie in Einzelfällen sowie die psychotherapeutische Beratung.
– Spezialisierte Diagnostik wird in Kliniken, Ambulanzen und unserer FASD-Beratungsstelle angebahnt
   und um Verlaufsdiagnostik ergänzt.
Dem Normalisierungsprinzip entsprechend, werden die Kinder- und Jugendlichen
   von niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern sowie externen Therapeuten

   aller Fachrichtungen, mit denen wir zum Teil schon jahrelang zusammenarbeiten, behandelt.

Den jungen Menschen, die zu uns kommen, begegnen wir nicht mit selektiven Kriterien, sondern wir versuchen mit unserem integrativen Ansatz dem Einzelnen und seinem Hilfebedarf so differenziert und flexibel wie möglich gerecht zu werden. Dabei gehen wir von Alltagserfahrungen aus und verbinden sie mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten.

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Wohngruppen nicht nach dem Kriterium gleichartiger Schicksale und Fehlentwicklungen zu bilden, da es zwar Stabilität durch Homogenität suggeriert,
in Wirklichkeit aber den kontraproduktiven Effekt hat, negative Gleichartigkeit zur Identifikationsnorm
zu erheben und verhängnisvoll nachzuverstärken.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen gerade aufgrund ihrer vielfältigen Lebens-
schicksale, ihrer familiären und sozialisationsgeschichtlichen Verschiedenheit durch Vergleichs-
möglichkeiten viel von einander lernen und zu alternativen Lebensentwürfen und Unterstützung in der Auseinandersetzung mit ihren Beeinträchtigungen kommen können. Dazu gehört auch, dass wir Wert darauf legen, in allen Wohnformen weibliche und männliche Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aufzunehmen, um auch im Bereich der Geschlechtsdifferenz soziales Lernen zu befördern.

In der Regel sind die Probleme der Kinder und Jugendlichen, die wir integrativ aufnehmen mehrdimensional und komplex. Die gebündelten Aufgaben der Eingliederungshilfe und der Erziehungshilfe in diesem integrativen Rahmen sind dem entsprechend mit einem besonders vielschichtigen und erhöhten Förderbedarf verbunden.
– Auf der Basis der im Hilfeplan festgelegten Ziele passen wir diese zusätzliche intensiv-pädagogische
   Hilfe und Betreuung individuell an die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen an. So lassen sich
   je nach individueller Problemlage auf den Einzelfall orientierte Hilfearrangements gestalten.
– Zu den spezifischen Schwerpunkten unserer Arbeit gehören Angebote, die von intensiver
   heilpädagogischer bis zu sozialpädagogischer und sozialtherapeutischer Betreuung, von emotional
   korrigierenden bis zu übend / nachholenden Verfahren, von Hilfen bei Lernschwierigkeiten und
   der speziellen Förderung zur Kompensation von Beeinträchtigungen bis hin zu Hilfen bei der
   Verselbständigung durch Erwerb einer Ausbildungsstelle, eines Arbeitsplatzes, einer eigenen
   Wohnung oder beim langfristigen Übergang in Einrichtungen der Eingliederungshilfe reichen.

Ergänzt werden die stationären Angebote, um bedarfsgerechte ambulante Betreuung nach der Verselbständigung sowie in Einzelfällen Psychotherapien oder Familientherapien, die während der Unterbringung begonnen wurden, zur Stabilisierung der Rückführung ambulant über Fachleistungsstunden fortzusetzen.